Krankheitsbild · Hüfte
Hüftprothese (Hüft-TEP): Reha und verbotene Bewegungen
Neues Hüftgelenk: was ersetzt wird, was danach erlaubt ist
Hüfte4 Minuten LesezeitVon Martin Otto, Physiotherapeut
Was wird ersetzt?
Bei der Hüftprothese wird der abgenutzte Kopf ersetzt und die Pfanne neu ausgekleidet. Das Becken habe ich durchsichtig gemacht. Der Operateur trennt den Oberschenkelkopf am Schenkelhals ab. In den Knochen kommt ein Metallschaft, oben darauf eine neue Kugel aus Metall oder Keramik. In die Pfanne kommt eine Schale mit einer Gleitfläche aus Kunststoff oder Keramik. Je nach Zugang, von vorn, von der Seite oder von hinten, werden Muskeln zur Seite geschoben oder kurz abgelöst und wieder angenäht. Über die Hälfte der Hüftprothesen hält fünfundzwanzig Jahre.
Die verbotenen Bewegungen
Früher bekam jeder eine Liste: nicht tiefer als neunzig Grad beugen, Beine nicht überschlagen, das Bein nicht nach innen drehen. Wochenlang. Grund war die Angst, die neue Hüfte könnte herausspringen. Das passiert selten, etwa bei einem bis zwei von hundert. Und Studien zeigen: Mit diesen Verboten springt die Hüfte nicht seltener heraus als ohne. Ohne Verbote kamen die Leute aber schneller in den Alltag zurück und waren zufriedener. Ob für Sie trotzdem Regeln gelten, hängt vom Zugang und Ihrem Operateur ab. Daran halten wir uns. Fragen Sie ruhig nach, warum.
Bei uns: untersuchen, testen, ausschließen
Bei uns frage ich als Erstes nach dem OP-Bericht: Welcher Zugang, welche Vorgaben für Belastung und Bewegung? Meist dürfen Sie gleich voll belasten. Dann schaue ich, wie Sie gehen, ob das Becken beim Schritt zur Seite absackt, wie weit sich die Hüfte bewegt und wie kräftig der mittlere Gesäßmuskel ist. Er hält das Becken bei jedem Schritt. Warnzeichen sind Fieber, eine zunehmend rote, nässende Wunde, eine dicke, warme Wade, Atemnot oder ein plötzlich verkürztes, verdrehtes Bein mit starkem Schmerz. Dann sofort zum Arzt. Dann passen wir den Plan gemeinsam an: wieder Radfahren, Wandern, Tanzen, Gartenarbeit?
Was hilft
Die Hüftprothese gilt als eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. Die große Mehrheit hat danach deutlich weniger Schmerzen. Das Training entscheidet, wie viel davon im Alltag ankommt. Was wir bei der Untersuchung herausfinden, entscheidet, in welcher Phase Sie starten. Phase eins: beruhigen. Gehen, anfangs mit Stützen, so viel es gut geht. Aufstehen, Treppen und Anziehen üben. Die Stützen kommen weg, wenn Sie ohne Hinken gehen. Phase zwei: aufbauen. Kniebeuge mit Band und Beinpresse für Gesäß und Oberschenkel, schrittweise schwerer, im erlaubten Bewegungsbereich. Phase drei: belastbar. Kreuzheben mit Band, Tragen im Alltag, längere Strecken, Radfahren, Wandern. Auch Sport ist meist möglich, Kontakt- und Sprungsport besprechen Sie mit dem Operateur.
Nach der OP sofort melden: Fieber, zunehmende Rötung oder nässende Wunde, eine dicke, warme Wade, Atemnot oder ein plötzlich verkürztes, verdrehtes Bein.
Mehr als Anatomie: Hier sehen Sie den körperlichen Teil. Wie stark etwas weh tut, hängt auch von Schlaf, Stress, Sorgen und Erfahrungen ab und davon, wie es bei der Arbeit und zu Hause läuft. Das macht den Schmerz nicht weniger echt, mehr dazu in „Schmerz ist mehr als Gewebe“. Zur Erklärung
Übungen dazu bei uns
So sehen die Übungen in unserem Trainingsraum aus, mit Martin im Foto und den arbeitenden Muskeln im Modell:
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