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Sechs Einheiten: was sich verändert

„Lohnt sich das überhaupt?“ Diese Frage beantworte ich am ersten Tag nie. Ich beantworte sie nach sechs Wochen, mit Zahlen, die wir beide sehen können.

Physiotherapie3 Minuten LesezeitVon Martin Otto, Physiotherapeut

Die meisten Verordnungen, die bei mir ankommen, umfassen sechs Behandlungen. Früher habe ich mich darüber geärgert. Heute weiß ich: Sechs reichen, um ein Problem zu verstehen, eine Struktur gezielt zu belasten und einen Plan aufzubauen. Sie reichen nicht, um den Umbau abzuschließen. Das ist keine Schwäche der Verordnung, sondern Biologie.

So sehen sechs Einheiten aus

  1. Befund

    Geschichte, Untersuchung, Messwerte, Ziele. Erste Erklärung, erste einfache Übung. Sie gehen mit einem Bild nach Hause, nicht mit einem Etikett.

  2. Einstieg

    Zwei bis drei Übungen an geführten Geräten mit geringem Widerstand. Technik vor Last. Ein Heimprogramm mit Band.

  3. Dosis finden

    Die Belastung suchen, die fordert, aber nicht überfordert. Maßstab ist die Schmerz-Ampel.

  4. Steigern

    Erste Progression: mehr Wiederholungen, dann mehr Widerstand. Übungen werden freier und alltagsnäher.

  5. Belastbarkeit

    Bewegungen, die bisher gemieden wurden, kommen zurück. Das Nervensystem lernt: Das geht wieder.

  6. Bilanz

    Die Tests vom ersten Tag noch einmal. Was hat sich verändert, was bleibt? Plan für die nächsten Wochen und die Entscheidung, wie es weitergeht.

Was sich verändert

Vor allem die Steuerung. Sie beherrschen die Bewegungen, die Angst vor Belastung sinkt, und Sie haben eine Routine. Die Kraft steigt schon deutlich, an den Geräten erfahrungsgemäß um ein Fünftel bis ein Drittel, weil das Nervensystem die vorhandenen Fasern besser ansteuert. Der Schmerz ist bei den meisten spürbar kleiner, oft nicht weg.

Was sich noch nicht verändert

Am Muskel selbst ist meist noch wenig zu messen; deutlich wird das nach acht bis zwölf Wochen. Eine Sehne braucht drei bis sechs Monate, Knochen länger. Wenn Sie nach sechs Einheiten „noch nicht ganz gut“ sind, haben Sie nichts falsch gemacht. Sie sind genau da, wo die Biologie Sie erwartet.

Nach Operationen, bei länger bestehenden Beschwerden oder wenn mehrere Regionen betroffen sind, braucht es mehr. Dann ist eine Folgeverordnung sinnvoll, und dafür hilft ein kurzer Bericht an die verordnende Praxis: was gemacht wurde, was sich verändert hat, was empfohlen wird.

Aus meiner Praxis: sechs Wochen mit Frau K.

Frau K., 52, Erzieherin, Kreuzschmerz seit vier Monaten, zwei Behandlungsserien ohne Übungen, ein Stützgürtel und der Satz aus der Familie: „Damit musst du wohl leben.“ Beim ersten Termin stoppte sie beim Vorbeugen an den Knien, nicht weil es nicht weiterging, sondern weil sie nicht wusste, ob sie durfte. Ich habe ihr das Alarmsystem erklärt und sie an die Beinpresse gesetzt: kleiner Widerstand, acht Wiederholungen, Ampel grün. „Das war’s?“, fragte sie. Das war’s.

Beim vierten Termin blieb der Stützgürtel zu Hause. Beim fünften kam ein schlechter Tag, wir haben die Dosis um ein Drittel gesenkt und trotzdem trainiert. Beim sechsten dieselben Tests wie am Anfang: Fingerspitzen an den Schienbeinen statt an den Knien, ein Drittel mehr Kraft an der Beinpresse, Schmerz beim Bücken von sieben auf drei. Der Schmerz war nicht weg. Er war leiser, und er machte ihr keine Angst mehr. Der eigentliche Umbau begann erst danach, zweimal die Woche im Fitnessstudio. (Einzelfall, anonymisiert; Verläufe sind individuell.)

Was am Ende stehen sollte

  • Sie wissen, was Ihre Beschwerden unterhält und was ihnen hilft.
  • Sie beherrschen drei bis fünf Übungen sicher genug, um sie allein zu machen.
  • Sie kennen Ihre Dosis und die Regel, wann Sie steigern.
  • Sie haben einen Plan für Rückfälle, damit ein schlechter Tag kein Rückschritt wird.
  • Sie haben ein Ziel, das größer ist als Schmerzfreiheit, und einen Weg dorthin.

Warum ich messe

Ohne Zahlen bleibt nur ein Gefühl, und Gefühle schwanken mit dem Tag. Zahlen zeigen, ob der Plan wirkt, und sie zeigen es auch dann, wenn der Schmerz noch nicht weg ist. Vier Tests am Anfang: Beweglichkeit, Kraft, Schmerz und eine Alltagsbewegung, die Sie sich aussuchen. Dieselben vier nach sechs Terminen, gleiche Bedingungen, gleiche Reihenfolge. Nur so ist der Vergleich ehrlich. Und wenn sich nach sechs Wochen an keiner Zahl etwas verändert hat, sage ich Ihnen das auch.

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