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Der Kabelzug vor der Mooswand: Manschette und Rücken zusammen trainieren

Schulterschmerz beim Heben des Arms

Schmerz an der Außenseite der Schulter, beim Heben, beim Liegen auf der Seite, beim Griff nach hinten: die häufigste Schulterbeschwerde überhaupt.

Schulter3 Minuten LesezeitVon Martin Otto, Physiotherapeut

Was dahintersteckt

Früher „Impingement“ genannt, in Arztbriefen oft „subakromiales Schmerzsyndrom“, heute meist als Reizung der Rotatorenmanschette und ihrer Sehnen verstanden. Unter dem Schulterdach verlaufen die Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel. Sie können gereizt sein, wenn die Belastung längere Zeit die Belastbarkeit übersteigt: viel Überkopfarbeit, plötzliche neue Belastung oder eine wenig trainierte Manschette. Ein „Engpass“, der mechanisch erweitert werden muss, ist es nach heutigem Verständnis selten. Teilrisse finden sich auch bei Beschwerdefreien und sind allein kein Operationsgrund.

Was die Forschung empfiehlt

Die Leitlinie ist eindeutig: zuerst ohne Operation, mit Übungen als Kern. Erste Wahl ist Kräftigung von Manschette und Schulterblattmuskulatur, meist über etwa drei Monate. Eine Kortisonspritze hilft oft für Wochen, über Monate zeigt sie keinen Vorteil. Ob und wann eine Operation infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; das ist nicht mein Fach.

Grundlage: Leitlinie Subacromiales Impingement der DGOU/DVSE; Übungsdauer nach einer Übersichtsarbeit von 2025.

Blankoverordnung

Für viele Schulterdiagnosen kann Ihre Ärztin seit November 2024 eine Blankoverordnung ausstellen. Dann steuert die Praxis Menge und Frequenz über 16 Wochen selbst. Für die Schulter ist das ideal, weil der Plan mitwächst.

So sieht eine gute Behandlung aus

Reizung beruhigen, Belastung anpassen. Zuerst werden die Belastungen gesucht, die den Schmerz unterhalten, und verkleinert, nicht weggelassen. Überkopfbewegungen bleiben im Programm, nur kleiner und leichter.

Kraft für die Manschette. Außenrotation und Innenrotation mit Band oder am Kabelzug, Schulterblattkontrolle beim Rudern, dann Brustpresse und Schulterdrücken im schmerzfreien Bereich. Über zwölf Wochen steigen Widerstand und Umfang. Den Fortschritt merken Sie zuerst am Liegen auf der Seite, dann beim Greifen nach oben.

Zurück in den Alltag. Heben, Tragen, Sport, Garten: alles wird systematisch wieder eingebaut.

Aus meiner Praxis

Herr S., Handwerker, Ende 40, drei Kortisonspritzen, jedes Mal vier gute Wochen. Dann kam er zu mir. Drei Monate Außenrotation, Rudern, Drücken, anfangs mit einem Band, das er lächerlich fand. Seit zwei Jahren ohne Spritze, arbeitet über Kopf. Die Spritzen hatten Fenster geöffnet; diesmal hielt das Training eines offen. (Einzelfall, anonymisiert; Verläufe sind individuell.)

Geduld ist hier Pflicht

Sehnen passen sich langsam an. Die ersten Wochen bringen oft wenig, danach geht es stetig. Wer nach vier Wochen aufhört, weil „es nicht wirkt“, gibt genau dann auf, wenn es beginnt. Rechnen Sie mit drei Monaten bis zur deutlichen Besserung und sechs bis zwölf bis zur vollen Belastbarkeit. Die Schmerz-Ampel gilt auch hier, mit einer Besonderheit: Bei Sehnen reicht Gelb nur bis 4 von 10. Der Schmerz soll danach abklingen und am nächsten Morgen nicht schlimmer sein.

Kleine Hilfen

Schlafen auf der Schulter. Ein Kissen unter dem Arm nimmt Druck vom Gelenk. Viele schlafen so wieder durch, lange bevor der Schmerz tagsüber weg ist.

Heben mit dem Ellbogen vorn. Wer den Arm mit dem Daumen nach oben und dem Ellbogen leicht vor dem Körper hebt, gibt der Sehne unter dem Schulterdach mehr Platz. Das gilt für die Kaffeetasse wie fürs Schulterdrücken.

Die Schulter erholt sich selten durch Ruhe allein. Sie braucht Kraft, die langsam wächst.

Wenn die Schulter immer steifer wird: Schultersteife (Frozen Shoulder)

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